Motorische Entwicklung fördern, wie wichtig ist das?

Wusstet ihr schon, dass Probleme in der Grobmotorik (z.B. auf einem Bein stehen, Gleichgewicht, klettern) und in der Feinmotorik (z.B. Jacke zu knüpfen, Mimik, Sprachlaute) mit Schwierigkeiten beim Lernerfolg zusammenhängen? Babys, die mit weniger Bewegung aufwachsen, zeigen ein deutlich langsameres Entwicklungstempo als Kleinkinder, die sich frei und viel bewegen. Insgesamt ist die Motorik der Kinder in den letzten Jahren deutlich schlechter geworden. Besonders die Einführung digitaler Medien geht mit Bewegungsmangel und Übergewicht einher. Falls ihr euch jetzt fragt, wie ihr die Motorik bei eurem Kind von Anfang an ausreichend fördern könnt, dann seid ihr hier richtig.

Warum ist die motorische Förderung so wichtig?
Die ersten beiden Jahren werden als sensomotorische Phase bezeichnet. Das Wort setzt sich aus Wahrnehmung (senso) und Bewegung (motorik) zusammen. Nur wenn das Kleinkind über die Sinne die Umwelt entdecken und erforschen darf, lernt es diese zu verstehen. Die körperliche Entwicklung hängt demnach sehr stark mit der kognitiven Entwicklung zusammen. 

Vor allem bei Spielzeug wird bereits früh damit geworben, dass es die Motorik des Kindes fördert. Was genau bedeutet das? Zunächst einmal ist die Motorik nichts anderes als die Fähigkeit zur Bewegung. Kinder entwickeln ihre Beweglichkeit auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Das Können, unterschiedliche Körperteile gut zu koordinieren, ist ein ganz wichtiger Meilenstein in der Entwicklung jedes Kindes. Dabei bleibt es aber nicht, denn die motorische Fähigkeit ist eng verbunden mit der Wahrnehmung, Kognition und der Sozialentwicklung. 

Motorische Defizite, also wenn das Kind die Fähigkeit nicht angemessen ausbilden konnte, bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen und sind mit psychischen Belastungen und einer geringen Selbstwirksamkeit verknüpft. Falls ihr einen Verdacht habt, könnt ihr gerne beim Kinderarzt oder der Kinderärztin nachfragen. Dann kann beispielsweise eine Ergo- oder Physiotherapie für das Kind vorgeschlagen werden. Bei manchen Kindern ist die motorische Entwicklung deutlich verlangsamt oder eingeschränkt, diese brauchen besonders Aufmerksamkeit und zusätzliche Anregungen!

Die motorische Fähigkeit deines Kindes unterstützen

Kinder sollten sich so viel bewegen, wie es nur geht! Alle motorischen Fähigkeiten werden durch körperliche Bewegungen erprobt und verfeinert. Dadurch erlangen sie:

- positives Körpergefühl 

- verstärktes Körperbewusstsein

- stabiles Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen

- realistische Einschätzung von eigener Leistungsfähigkeit

- Selbstwirksamkeitserwartung 

- kann sich besser konzentrieren und reagieren

- soziale Kompetenzen (in gemeinsamen Bewegungsspielen lernen Kinder: Teamgeist, Kooperation, Rücksichtnahme, Fairness, Verantwortung und Regeln)

Das Beste ist, dass Kinder einen ganz natürlichen Drang nach Bewegung haben. Ob es das Rennen und Toben oder Malen und Spielen ist, all das sollten Eltern möglichst ihren freien Lauf lassen. Hier sind weitere Anregungen, die die Motorik deines Kindes unterstützen:

- Bewegungsspiele mit anderen (z.B. Fangen, Verstecke, Ballspiele)

- Bewegungsangebote wahrnehmen (klettern, springen, balancieren und turnen)

- Musik machen und tanzen (bringt und ganz viel gute Laune)

- werkeln (Spielzeuge oder Dinge aus der Natur, die zum Konstruieren anregen)

- kreative Aktivitäten (Malen mit Buntstiften, Farbe, Kreide …)

- Naturerlebnisse (einfach mal rausgehen und schauen, wohin es dein Kind so treibt und was es entdecken möchte)

- freies Spielen (möglichst wenige bis keine Impulse geben und abwarten, worauf dein Kind so kommt und es einfach mal machen lassen)

- selbstständiges Spielen anleiten (Ideen zum Spielen anregen und sich dann versuchen zurückzuziehen)

- Geschicklichkeits- oder Sinnesübungen anbieten (oder entsprechendes Spielzeug bereitstellen)

- keine Angst vor Schrammen (sei bereit, falls es gefährlich wird, ansonsten versuch dein Kind ausprobieren zu lassen, davon kann es viel lernen)

Fördern, aber nicht überfordern

Kinder werden zwar durch die angemessene Förderung lernfähiger und leistungsstarker, das wurde bereits mehrfach wissenschaftlich erforscht, jedoch zeigte eine Stress-Studie 2015 ebenfalls, dass ca. jedes 6. Kind deutliche Stresssymptome aufweist. Gründe dafür sind beispielsweise, dass Eltern heutzutage oft hohe Anforderungen an ihre Kinder haben und wenig Zeit für Freiraum und selbstbestimmtes Erleben schaffen. Holt ich deshalb immer wieder ins Gedächtnis, dass einfach Kind sein, genauso wichtig für die Entwicklung ist!

Jedes Kind ist anders, beachtet bitte, dass jedes auch sein oder ihr eigenes Tempo hat. Angebote sollten immer auf den Entwicklungsstand des Kindes angepasst sein. Auch Rückschritte sind übrigens in Maßen völlig normal. Es gibt nämlich nicht die „richtige” Entwicklung, denn jedes Kind verarbeitet Informationen unterschiedlich und individuell. Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass euer Kind eine gewisse Fähigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt können muss, denn heutzutage gehen Forschenden eher von einer Spannbreite aus, die sich über Monate erstrecken kann. 

Quellen:

Bemsch, C., Schmidt, C., & Völker, C. (2019). Was Eltern und Fachkräfte bewegt: Ein Überblick über die vorschulische Bildung in Deutschland.

Bott, H. (2018). Motorisch ungeschickte (Schul) Kinder–Wie können wir sie erkennen?.
Röhr-Sendlmeier, U., Knopp, K., & Franken, S. (2007). Auswirkungen psychomotorischer Förderung auf die körperliche, kognitive und Persönlichkeitsentwicklung. 2007, 17-33.